Bits & Pretzels

Die Männer machen Schwanzvergleich, die Frauen sollen jammern

Konferenzen wie Bits & Pretzels fördern innovative Startups – innovative Geschlechterrollen noch nicht so wirklich.

30. September '15 von Teresa Fries

„Auffälligste Sache #gendergap: Frauen reden über Probleme & Sorgen, Männer darüber wie geil sie sind. #nojudgement #bitsandpretzels“. Steffi Feldmann, Mitgründerin des Startups „mazel“, war in diesem Jahr auf der Bits & Pretzels. Die Konferenz für Gründer, Investoren und den Rest der Startup-Szene hat sich in den letzten Jahren krass verändert – vom Weißwurstfrühstück zur mehrtägigen Großveranstaltung. Wer aber Steffi auf Twitter folgt, konnte lesen, dass sie in einem Punkt noch großen Entwicklungsbedarf sieht: Bits & Pretzels & die Frauen.

Steffi Feldmann:

„Klar die Speaker bei der Bits & Pretzels waren dieses Jahr super spannend, aber wir waren natürlich hauptsächlich da um Mazel zu pitchen und potenzielle Investoren zu finden. Und die anzusprechen, zu überzeugen und bei ihnen in Erinnerung zu bleiben, ist natürlich so eine Sache. Wir recherchieren da vorher schon genau: Was machen die, wofür interessieren die sich, was sind das für Leute, was sagen wir zu denen? Und ja, natürlich überlegen wir uns auch genau, wer wen anspricht, also lieber ich als Frau, oder der Mö, mein Mitgründer, als Mann. Entgegen dem, wie es oft dargestellt wird, hat man nämlich nicht nur Nachteile als Gründerin. Klar gibt es Idioten, aber manchmal kann man vielleicht gerade als Tech-Frau mit einem Pitch nach zehn Tech-Männern das nötige bisschen Interesse für das Startup in einem Investor wecken. 

In einer perfekten Welt habe ich diesen Vorteil auch nicht mehr, weil es dann genauso viele Gründerinnen wie Gründer gibt und es einfach keinen Unterschied mehr macht. Aber davon sind wir leider noch ziemlich weit entfernt und das hat mir auch die Bits & Pretzels wieder ganz klar gezeigt  – und zwar leider genau durch ein Panel für Frauen.

Der „Female Founders Track“ fand auf einer der kleinsten Bühne mit einer Moderatorin und vier Speakerinnen statt, mit rund 60 Menschen im Publikum. Sieben davon Männer. Keine Frage, die Frauen auf der Bühne waren cool und hätten Spannendes zu sagen gehabt. Leider war das Panel anscheinend nicht, wie es der Titel verspricht, dazu da, darüber zu reden, wie sie glauben, die digitale Wirtschaft verändern zu können, sondern um darüber zu jammern, wie schwer es Frauen in einer immer noch von Männern dominierten Szene haben. Die Fragen an sich zielten nur darauf ab, welche Probleme sie haben, wo es schlecht läuft und warum es so schwierig ist als Frau zu gründen. Und das geht mir echt auf den Senkel. Die Männer stellen sich drei Tage lang im Schwanzvergleich auf die Bühne und wetteifern darum, wer der Coolste ist und wer am meisten geschafft hat. Die Frauen werden dagegen quasi zum Heulen gebracht, weil alles so schrecklich ist.

Ich finde, es sollte keine extra Female-Founders-Panel geben auf solchen Konferenzen – die Bits & Pretzels ist da sicherlich keine Ausnahme. Mag sein, dass das manche anders sehen. Meiner Erfahrung nach finden gerade Frauen ab 35 oder 40 es häufiger noch gut, dass Frauen eine Bühne für sich haben. Im Gegensatz zu ausgegrenzt oder ignoriert werden, ist das natürlich schon besser. Aber gerade Gründerinnen in meinem Alter finden diese Sonderbehandlung nicht mehr richtig. Sie führt dazu, dass Männer sich nicht anhören, was die Frauen zu sagen haben, weil es von Frauen für Frauen zu sein scheint, dadurch ist das Publikum kleiner und die Vorträge finden oft auf den kleinsten Bühnen zu den schlechtesten Zeiten statt.

Was man bei dem Thema natürlich auch sagen muss: Es ist viel schwieriger, Frauen zu finden, die auf Konferenzen sprechen, als Männer. Nicht  weil die Frauen nichts zu sagen hätten. Aber weil viele schlechte Erfahrungen gemacht haben, oder davor gewarnt wurden. Ich habe von einer lieben Bekannten und tollen Businessfrau eine unglaubliche Anekdote gehört, die Anfang 2000 auf eine Veranstaltung eingeladen wurde, um eine Rede zu halten. Danach kam der Veranstalter zu ihr und sagte: Das war ja ganz toll, aber wir hätten eigentlich lieber ihren Chef gehabt, weil man Frauen ja so ungern zuhört.

Solche Geschichten sind scheiße, man darf sich aber davon nicht abschrecken lassen, sonst ändert sich nichts. Spannende Frauen sollten die spannende Dinge sagen, die sie zu sagen haben und zwar mit den Männern auf den gleichen Bühnen und vor dem gleichen Publikum. Damit sie jeder hört.“

Zur aktuellen Folge von startup bavaria geht es hier.